Kein Aprilscherz: Sonne und Wind senken Börsenstrompreis auf Null

Wer am vergangenen Sonntag, den 1. April 2012 um 16 Uhr Strom benötigte und sich diesen an der Strombörse in der Day-Ahead-Auktion beschaffte, der konnte sich über eine kostenlose Stromlieferung freuen. Für exakt minus 0,008 Cent pro Kilowattstunde war der Strom zu haben. Eine prognostizierte Solarstromeinspeisung von 9,251 Gigawatt zusammen mit einer prognostizierten Windstromeinspeisung von 12,647 Gigawatt drückten die noch benötigten konventionellen Leistungen auf Werte unterhalb der Nachfrage zur Nachtzeit. In logischer Konsequenz wurden beim Strompreisfixing denn auch Strompreise unter den Nachtpreisen ermittelt. Diese lagen zwischen 2 und 4 Cent pro Kilowattstunde. Während der ersten Nachtstunden pendelte der Strompreis bei einer Nachfrage knapp unter 35 Gigawatt noch bei 3 bis 2,3 Cent. Auf diesem Niveau hielt er sich auch in den Morgen- und Vormittagsstunden trotz ansteigender Nachfrage, die bis zum Mittag auf über 50 Gigawatt anstieg. Trotz des rapiden Anstiegs der Nachfrage reduzierte sich der Bedarf an konventioneller Leistung aufgrund eines noch schnelleren Anstiegs der Solar- und Windeinspeisung dann im weiteren Verlauf des Tages unter den Nachtwert. Als dann im Nachmittag die nachlassende Nachfrage von einem weiterhin großen Angebot an Sonnen- und Windstrom begleitet wurde, rutschten die Strompreise bis auf Null ab. Als Konsequenz hieraus lagen die durchschnittlichen Strompreise zur Peak-Zeit (8 bis 20 Uhr) mit 1,893 Cent pro Kilowattstunde unter den Tagesdurchschnittspreisen von 2,410 Cent pro Kilowattstunde. Damit ist ein Paradigmenwechsel eingeläutet. In der Vergangenheit waren die Strompreise zur Mittagszeit stets die höchsten des Tages, da zu dieser Zeit traditionell in Deutschland die Tageslast am höchsten ist. An der Last hat sich zunächst einmal nichts geändert. Aber an immer mehr Tagen trifft diese hohe Mittagslast auf ein noch größeres Angebot von Wind- und vor allem Solarstrom. Die Zeiten hoher Strompreise zur Mittagszeit sind damit gezählt. In Zukunft wird gelten, dass an halbwegs sonnigen Tagen Mittags Strom billiger als Nachts zu haben sein wird. Quelle: PHOTON, Epex Spot